
Unsichtbar der Wind,
Unter dem blauen Himmel,
Pink ist die Blüte.
Wenn es den wahren Frühling nicht gäbe, dann gäbe es keine bunten Farben mehr, dann gäbe es keine immer frischen Düfte. Das Einzige was es dann gäbe, wäre ein Bund chemischer Verbindungen. Ein Einheitsbrei, dass keine unterschiedlichen Geschmäcker, Empfindungen und Wahrnehmungen mehr zuließe. Die Hoffnung gäbe es dann auch nicht mehr, denn der Frühling wäre dann nur noch die Folge des Winters und die Ursache für den Sommer. Alles wäre dann damit berechenbar. Sogar die Stille. Dann wäre der Frühling wahrlich gleich dem ewigen Winter. Kalt. Grau. Und düster.
Nein. Der wahre Frühling ist nicht gleich einem bloß gestellten Lächeln. Es ist nicht eine neue Form des Konformismus. Es ist keine Rechtfertigung für das Unrecht. Es ist viel mehr als ein schlaues Monster geschaffen durch die inneren Aversionen. Denn ich spreche vom wahren Frühling der inneren Wege. Spontan, unsicher, ungewiss und flüchtig und doch überall präsent und in allem gegenwärtig. Der Frühling in dem der Wind keine bestimmte Farbe hat und die Sonne sogar in der Dunkelheit jeden noch so kleinen versteckten Winkel erreicht. Der Frühling also der absolut Alles ist: die Erde, dass Wasser, das Feuer die Luft gleichzeitig aber auch der Winter, der Sommer und der Herbst. Der Frühling der Vielfalt also. Der Frühling des Gleichgewichts.
Und doch. Was wäre der wahre Frühling ohne den Frühling der einfachen Pflanzen und Blüten, ohne den Frühling der Blumen die keinerlei Bewunderung bedürfen, ohne den Frühling der Wörter, dem Frühling der Herzen? Was wäre der wahre Frühling, gäbe es die Sehnsucht nicht, die Hoffnung nicht, die Unordnung, den Traum, das Delirium? Dann kämme der wahre Frühling einer Fahne gleich. Einer Fahne für die sich lohnen würde zu kämpfen, zu sterben und notfalls sogar auch zu töten. Ich frage mich wieviel Unrecht in Namen des wahren Frühlings nicht schon begangen wurde, wieviel wird noch geschehen und bemerke, dass im Hier und Jetzt das geschichtliche Gedächtnis sich von selbst auf natürliche Art und Weise aktualisiert. So viele Erzählungen kommen auf einmal spontan in mir auf. Geschichten, die ermahnen. Über die Verfolgung, über die Lüge, über die Vertreibung. Ich frage mich wie viele Frühlinge werden vergehen, bis wir wirklich akzeptieren, dass wir zwar unweigerlich miteinander verbunden sind, ja, dass wir aber auch gleichzeitig einzigartig und verschieden sind?
Wahr oder unwahr, wer den Frühling wirklich erfahren möchte solle wissen dieser lässt sich sehr gut aus der Stille betrachten. Denn der Frühling und die Stille haben eines gemeinsam, dass sie verbindet, dass sie durchdringt, dass sie erst vollkommen macht. Es ist die Vergänglichkeit. Der ewige Wandel, der in allen Dingen Inne wohnt ist auch in der Stille und im Frühling ausgiebig vorhanden. Sowohl in einem alten Blatt, der jetzt erst nachgibt nachdem es nicht nur den Herbst, sondern auch den Winter standgehalten hat, als auch in den neuen Blüten, die voller Leben die Ankunft der warmen Jahreszeit bekunden. Ja, alles hat einen Platz im Frühling. Sogar die Unterscheidung zwischen dem wahren Frühling als auch den sogenannten unwahren, den Frühling der Wörter, denn im Grunde ist er, der Frühling, seit dem Anfang ohne Anfang bis zum Ende ohne Ende, ganz und gar ohne Grenzen. Endlich ist es Frühling.
