
Hinter den Gittern,
Ein Bild und ein cooler Spruch.
Gewonnen? Vielleicht.
Ein Kind. Es ist voller Träume und Fragen. Es will lernen, eigene Erfahrungen machen, die Welt erkunden. Nicht mehr vorerzählt bekommen was es zu denken und was es zu fühlen hat. Es will selbst spüren, es will selbst anfassen, es will es selbst wagen. So ist das also mit dem Leben, es gibt die Freude, es gibt die Traurigkeit, es gibt den Ärger, es gibt die Liebe, es gibt die Träume und es gibt auch die Wirklichkeit. Es kommt in die Schule, wo jenseits des elterlichen Schutzes es die Regeln gibt. Geschrieben oder ungeschrieben, die Regeln setzen den Träumen Grenzen, sie weisen den Gedanken den Weg und sie machen einem mit einer bisher unbekannten Größe bekannt: die Stille.
Es gibt verschiedene Formen der Stille. Es gibt die Stille als Freund, es gibt die Stille als Feind. Es gibt die Stille der anderen und es gibt die Stille in einem selbst. Es gibt die Stille des Friedens und es gibt die Stille der Gewalt. Die Stille der Gewalt, nenne ich die Stille als Feind. Das ist die Stille die entsteht, wenn die eigenen Gefühle, Gedanken und Fantasien gewaltsam zum Schweigen gebracht werden. Darum wird sie die Stille der Gewalt genannt. Diese Form der Stille hat sehr viel mit den anderen zu tun. Wie werde ich akzeptiert, was ist gerade angesagt, wie verhalten sich die anderen, wie verhalte ich mich selbst. Die Stille der anderen hat also sehr viel mit meiner eigenen Stille zu tun, denn um den anderen zu entsprechen bin ich sehr oft selbst still. Oder tue ich mir Gewalt an? Die Stille der anderen, welche die Stille in einem selbst ist, hat also oft mit Gewalt zu tun.
Ich sage oft, denn oft ist es so, doch dass heißt nicht, dass es immer so sein muss. Es gibt nämlich noch eine andere Form der Stille und das ist die Stille die dort beginnt wenn die Gewalt zu Ende ist. Wenn die Trennung zwischen mir und den anderen aufgehoben ist. Darum nenne ich sie die Stille als Freund. Es ist die Stille des allgegenwärtigen Friedens, die Stille der unbeschreiblichen Zufriedenheit. Die Stille der Dankbarkeit. Diese Form der Stille gibt es also auch. Es ist die Stille, dass wie die unterste Schicht eines Gemäldes ist und allen Dingen in einem Bild als Grundlage dient. Wie die Luft, dass allgegenwärtig großzügig vorhanden ist. Die Stille, die überhaupt nicht still ist, weil sie im Gegensatz zu rein gar nichts steht. Weder zum Lärm, noch zur Freude, noch zur Traurigkeit, noch zum Ärger, noch zur Liebe, noch zu den Regeln, noch zur Wirklichkeit. Auch nicht zur Wirklichkeit? Auch nicht zur unmittelbaren Wirklichkeit welche sich jenseits des Begriffs befindet, die Wirklichkeit, welche die Bewegung des Lebens selbst ist? Ja, selbst zur Wirklichkeit steht diese Art der Stille nicht im Widerspruch, denn diese Form der Stille und die der unmittelbaren Wirklichkeit sind im Grunde nur unterschiedliche Aspekte ein und der selben Realität.
Eine Schweigespirale ist eine besondere Art der Gewalt. Sie arbeitet still und leise, ähnlich wie die Korruption. Sie ist konstant und verschwiegen wie ein eingeschworenes Network. Wie eine böse Brüderschaft der Nichts oder nur wenig nachgewiesen werden kann, weil sie die Korruption wie ein Hochleistungssport betreibt. Ständig sich verbessernd, immer das Neue in sich absolvierend in dem Glauben verloren, die Demokratie wäre ein Mittel zum Zweck und der Zweck die Diktatur der Mehrheit. Ganz und gar wie eine alte und allgemein bekannte Verschwörungstheorie. Das macht sie schwer greifbar: sind es die anderen oder bin ich es selbst? Sobald die Zweifeln beginnen, wirkt sie bereits. Im selben Augenblick wie die Unsicherheit hineingedrungen ist, beginnt sich die Spirale des Schweigens sich schon zu drehen, denn mit den Zweifeln ist der Kampf schon da. Automatisch setzen wir unsere Rüstung auf. Defensiv, furchtsam oder auf Angriff eingestellt. Das Kind in uns, mit seinen Träumen, seinen Fragen, seinen Fantasien, seiner Kreativität und Sensibilität bleibt dabei gefangen, es verkümmert, in manchen Fällen stirbt es sogar. Ist das die Art von Erziehung die wir wollen? Ist das die Zukunft, welche wir unseren Kindern möglich machen wollen? Egoismus, Besitztum, Führung, Dominanz? Nein. Diese Art der Erziehung käme gleich unseren Kindern unsere Ignoranz auferlegen zu wollen, denn nichts anderes ist der Kampf. Der Kampf ist etwas von uns künstlich geschaffenes, eine Art mentaler Verwirrung die durch den ständigen Lärm in unserem Inneren entsteht. Lärm, in der Meditation ist ein Synonym für Trennung, für das abgelenkt sein. Beispielhaft dafür ist die Dichotomie Lärm und Ruhe. Der Lärm ist aber nicht der Gegensatz zur Ruhe, dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir fügen den Wörtern eine Bedeutung hinzu, welche auf außenstehende Begriffe aufgebaut ist. Wir sagen Lärm und definieren es als das Gegensatz zur Ruhe. Die Illusion der Trennung entsteht. Tatsache ist aber, dass der Lärm und die Ruhe lediglich unterschiedliche Fragmente ein und der selben Wirklichkeit sind. Nicht im Zusammenhang ergeben die Fragmente ein ganz anderes Bild als das was die Wirklichkeit in jedem Augenblick offenbart. Sprich, unsere Gedanken und das was sich wirklich abspielt verlaufen nicht synchron. Das Denken ist immer in Begriffen und Erwägungen verloren: Ist das gut? Ist das schlecht? Wem wundert es so noch, dass die Dinge immer anders kommen als erhofft?
An dieser Stelle möchte ich deutlich sagen, dass die Lehren des Zen nicht auf Kolonialisierung aus sind. Wie könnte es denn anders sein, wenn alle Fragmente Teil des zusammenhängenden Bildes sind? So ist in unserer Praxis die Tür immer offen, sowohl zum hineinzukommen aber auch um hinauszugehen. Die Praxis des Zen ist kein Wettbewerb. Und schon gar nicht einer bei dem es etwas zu gewinnen gäbe. So wird jeder Glaube auf natürliche Art und Weise respektiert, denn absolut alles was es gibt ist ein Ausdruck des Lebens das wir teilen. Und doch ist es auch wichtig zu erwähnen, dass es nicht richtig wäre, die Meditation als eine Art Zufluchtsort in einer besseren Welt zu verstehen. Die Praxis des Zen hat nichts passives an sich, es ist nicht ein es sich bequem einrichten und tatenlos zusehen wie alles um uns geschieht, weil alles eigentlich fein ist so wie es ist. Zen zu praktizieren bedeutet nämlich, immer und immer wieder das unterscheidende Denken abzulegen um so zu handeln wie es die Situation gerade verlangt. Auf diese Weise, in dem Ausmaß wie die Praxis in uns reift, beginnen wir uns mehr und mehr mit dem zu harmonisieren was um uns geschieht. Mit anderen Worten, indem wir ganz bei dem sind was wir tun schützen wir das Kind. Indem wir unser Leben auf Basis dieser Praxis selbst gestalten erziehen wir es. Das Kind von Außerhalb, dass auch das Kind in uns ist. Mit all seinen Träumen, seinen Hoffnungen, seinen Enttäuschungen und seiner Furcht.
Nein, die Stille ist nicht das Gegenteil vom Lärm. Die Stille ist die Sprache der Natur, das Geräusch einer lodernden Flamme, das leise dahin plätschern eines Baches. Die Stille ist das hin und her treiben des Windes. Die Stille ist die Sprache der Erde, die uns stumm auffordert: Mensch erkenne dich selbst!
